Evangelische Kirche Baden

Wo wir dich loben, wachsen neue Lieder

Anhang zum Evangelischen Gesangbuch der Landeskirche in Baden
240 S. Seiten,Gebunden
9783899122107
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Eine halbe Million Gefangene sollten die Deutschen in jener Schlacht am Dnjepr gemacht haben. Sie würden wenigstens leben, so dachte Hans, ohne zu ahnen, wie falsch er dachte. Nein, er konnte nicht im Geringsten ahnen, welcher grauenvolle Weg diesen armen Teufeln noch zugedacht war, wie sie elend zu Tode kommen sollten als Zwangsarbeiter in den Mühlen der Rüstungsindustrie Deutschlands, unter Tage in den Stollen, als Häftlinge in Konzentrationslagern. Nichts wusste Hans von alledem. Die Russen würden leben. Vielleicht würde der Krieg auch bald zu Ende sein. Er könnte wieder bei Elchen sein, sie in die Arme schließen, sie küssen. Das Leben in der Truppe war schwer für Hans, über die Lasten des Kriegsalltages hinaus. Denn er fand nicht den rechten Anschluss an die Kameraden, viele waren ihm zu stumpfsinnig, waren schon glücklich, wenn sie nur mit einem Schnaps, auf einem Strohsack hockend, Karten oder Würfeln spielen konnten. Andere, Streber und Nazis, Fanatiker durch und durch, waren erst recht keine Gesprächspartner für ihn. Der Lehrer aus Berlin war tot, und viele seines Schlages gab es nicht, mit denen er über Zusammenhänge und Hintergründe, wie er sie vermutete, hätte sprechen können. Was blieb, war, dass die persönlichen Probleme, von denen Elchen schrieb, und seine Sorgen und Ahnungen hier an der Front sich in seiner Brust wie zu einem großen Stein verdichteten. Ihm fiel das Atmen schwer, besonders, wenn sie in irgendeinem Stall, in einem muffigen, rauchgeschwängerten Bauernkaten zusammengepfercht saßen, auf die nächsten Befehle, den nächsten strapaziösen und partisanengefährdeten Marsch warteten. Und Angst war immer dabei. Ihm sollte keiner sagen, er hätte keine Angst. Der Gedanke, eine Kugel in den Kopf, von einem Granatsplitter den Kiefer weggerissen zu bekommen, wie es gestern erst einem Kameraden ergangen war, die Möglichkeit, durch eine Mine ein Bein, einen Arm zu verlieren - wenn es glimpflich ausging! - dies alles sollte nicht Angst machen? Das konnte ihm niemand erzählen. Und leider, leider, so sehr er sich bemühte, es gelang ihm wohl auch nicht, seine Stimmungen so ganz vor Elchen zu verbergen. Sie waren beide zu gefühlvoll, und aus ihrem letzten Brief hatte er entnommen, dass sie ihn wohl verstand. Gewiss, sie beschwor ihn, vorsichtig zu sein, suchte ihn zu trösten, so wie er versuchte, ihr gegenüber alles zu vereinfachen, herunterspielen, allein - in ihrem Innersten fühlten sie doch genau, in welchen grauenvollen Gefahren sie beide schwebten. Er sah fallende und zerfetzte Kameraden, sie sah die Traueranzeigen und die schwarzgekleideten Frauen inmitten der Weltstadt Berlin. Mitte September erhielten die Stäbe der Ostfront Befehle des Führers. Sie beinhalteten die Aufgabe, in kürzester Zeit Moskau, die Hauptstadt des Weltkommunismus zu erobern. Hitler hatte das gleiche Ziel, die gleiche Vorsehung wie damals Napoleon: mit gewaltiger Übermacht das russische Zentrum anzugreifen, jeden Widerstand zu brechen, mit Moskau das ganze Land zu beherrschen. Es hatte deutsche Militärs gegeben, die vor dem russischen Feldzug warnten. Jetzt aber waren alle Truppen in Bewegung. Der Ring um Moskau zog sich enger, einigen Einheiten gelang es sogar, in Vororte einzudringen. Die, wie der Führer sagte, größte Offensive der Geschichte sollte beginnen. In Moskau wurden Ämter und Behörden, Fabriken, Museen ausgelagert. Gewaltige Transporte gingen in Richtung Osten, zum Ural. In der Bevölkerung breitete sich Unruhe aus. Banden und Plünderer traten auf den Plan, Panik drohte zu entstehen. Doch die Staatsmacht bekam die Lage in den Griff. Und Stalin blieb in Moskau. Der Kreml wurde nun das russische "Führerhauptquartier". Stalin leitete von hier aus jede Operation persönlich, kümmerte sich um alles, selbst um Kleinigkeiten, arbeitete wie ein Tier, schlief drei bis vier Stunden täglich, verhandelte mit dem Ausland, mit Engländern und Amerikanern. Denn es stand das Land auf dem Spiel. Und mit dem Land seine

23 Original-Feldpostbriefe, die eine junge Berliner Pianistin ihrem Liebsten an die Front vor Moskau schickte, haben sich von 1941 bis heute erhalten. Erschütternde Zeugnisse tiefer Liebe, verbunden mit angstvoller Sorge um den geliebten Mann, der zunächst noch in naivem Vertrauen, bald aber erfüllt von Zweifel und Wut, für Hitlers Wahnsinns-Blitzkriegs-Idee vor Moskau in Dreck und Schnee steckt. Die Briefe reflektieren zunehmend und erstaunlich offen auch die Gräuel des Naziregimes und Kriegserscheinungen wie Rationierung von Lebensmitteln und Bombenangriffe an der "Heimatfront" Berlin. Die Kapitel zwischen den Briefen aber erzählen realistisch und Packend vom Frontgeschehen, vom siegessicheren Beginn des Moskau-Feldzuges bis zu seinem sehr bitteren Ende nach nur wenigen Monaten.

Geboren 1939 in Berlin, Diplomingenieur für Drucktechnik. Seit 1978 neben verantwortlicher Tätigkeit in der Druckindustrie erste Veröffentlichungen im Eulenspiegel-Verlag Berlin. Er nutzte die Satire, um Missstände in der DDR anzuprangern. Nach 1990 nahm er die Probleme im vereinigten Deutschland aufs Korn. In den letzten Jahren schuf er auch sehr poesievolle Romane und Erzählungen Gemeinsam mit seiner Frau Astrid hatte er den Verlag Nordwindpress gegründet. Neben seiner schriftstellerischen Tätigkeit malt er. Manfred Kubowsky lebte von 1982 bis 2007 in Hundorf bei Schwerin und wohnt jetzt in Weimar. Bibliografie (Auszug) Petits Reise durch Polygraphia. Zentralstelle für Unterrichtsmittel der zentrag, Berlin 1978 Die Stellung ist krampflos zu halten. Eulenspiegel-Verlag, Berlin 1981 Querfeldein und geradezu. Eulenspiegel-Verlag, Berlin 1986 Der Förtner als Filosof oder nieder mit den Schlaglöchern! Eulenspiegel-Verlag, Berlin 1989 Winter in Deutschland - kein Märchen oder Die Freiheit ist eine teure Hure. EDITION digital, Schwerin 1997 Das Wildgänseland. Stock und Stein Verlag GmbH, Schwerin 1998 Der Mann und die Insel oder eine Rose von Elisabeth. Scheunen-Verlag, Kückenshagen 2000 Ich wehre mich dagegen! Kulturbund Mecklenburg-Vorpommern, Schwerin 2001 Mondnarben. Edition Nordwindpress, Hof Grabow 2004 Die Marotten des Herrn Kasius Knieper aus Schwerin. Edition Nordwindpress, Hof Grabow 2004 Zwischen Land und Meer. Edition Nordwindpress, Hof Grabow 2006 Schloss Karnitten. EDITION digital, Schwerin 2009 Liebste, kleine Marie. Edition Nordwindpress, Strausberg 2013 Liebste kleine Astrid. Edition Nordwindpress, Strausberg 2014

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Autor Evangelische Kirche Baden
Verlag Strube Verlag
Artikelnummer (SKU) 9783899122107
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Einband Gebunden
Format 2 x 18.5 x 11.5
Seitenzahl 240 S.
Gewicht 364
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